Die beiden Hauptstädte (Sucre – La Paz)

13 12 2011

Für die Strecke von knapp 160 km zwischen Potosi und Sucre haben wir uns für ein Taxi entschieden. Die zweieinhalbstündige Fahrt kostete uns lächerliche 7 Franken pro Person. Wir haben Sucre, mit seinen weissen Gebäuden und prunkvollen Torbögen, schnell in unser Herz geschlossen. Die Innenstadt ist so schön, dass die Unesco Sucre 1991 zum Weltkulturerbe erklärte. In Sucre befindet sich der oberste Gerichtshof Boliviens, das einzige was der offiziellen Hauptstadt Boliviens geblieben ist. Wichtige Entscheidungen in Sachen Politik und Finanzen werden in La Paz getroffen.

Während den Tagen in Sucre haben wir das Zentrum erkundet, gemütlich Kaffee getrunken, Fruchtsalat zum Frühstück und riesige Menüs zum Mittagessen auf dem Markt zu uns genommen (für weniger als einen Franken), Museen besucht, für zwei Franken Luca‘s Haare geschnitten (ja es sieht super aus!!), den Ausblick auf Sucre vom Mirador genossen und uns von den Strapazen der Höhe erholt.

Am Samstagabend verliess unser extrem bequeme Nachtbus Sucre in Richtung La Paz. Die zehnstündige Fahrt nach La Paz war trotz des Komforts nicht allzu angenehm. Entweder war es zu warm oder zu kalt, Kinder kreischten, Erwachsene schnarchten, so waren wir froh, am Morgen um sechs Uhr im 3660 m hohen La Paz anzukommen. Der Anblick von La Paz ist atemberaubend und erschütternd zugleich. Im ganzen Tal gibt es fast keine grünen Flecken, der ganze Hang ist mit halbfertigen Häusern verbaut und trotzdem gefällt uns die Stadt. An sonnigen Tagen hat man zudem die Möglichkeit den über 6000 m hohen Vulkan Illimani zu bestaunen.

Leider hat Corinne’s Magen das Marktessen von Sucre doch nicht wirklich vertragen, deshalb liessen wir den ersten Tag in La Paz ruhig angehen. Wir besuchten zuerst den Hexenmarkt, wo einheimische Lamaföten kaufen (diese werden als Glücksbringer unter der Türschwelle ihrer neuen Häuser verbaut). Danach schlenderten wir durch Shops mit wunderschönen, handgefertigten Souvenirs, liefen zufälligerweise an einer Militärparade vorbei und beendeten den Abend mit indischem Essen.

Die kommende Regenzeit verhinderte auch am zweiten Tag einen blauen Himmel, aber die Temperaturen waren mild und angenehm. Um die Stadt auch einmal von oben zu sehen, liessen wir uns mit dem Taxi durch den Montagsverkehr zum „Killikilli“ Mirador fahren. Froh nach der rabiaten Fahrt ohne Unfall heil oben angekommen zu sein, verschlug uns der Ausblick auf die unzähligen Backsteinhäuser den Atem. Das Fussballstadion ist eines der höchstgelegenen der Welt. Die Bolivianer versuchen sich durch die Höhe einen Vorteil gegenüber dem Gegner zu verschaffen, dies gelingt ihnen jedoch nur sehr selten (Weltnummer 109).

Morgen überqueren wir die Grenze nach Peru und planen unsere Tour zu den Inseln des Titicacasees.



Bienvenido a Bolivia

8 12 2011

Die Jeeptour endete im sehr touristischen aber dennoch bolivianisch angehauchten und schmutzigen Uyuni. Zum ersten Mal erlebten wir den gewaltigen Unterschied zwischen dem reichsten und dem ärmsten Land Südamerikas. Kein Haus war wirklich fertig gestellt, die Mülldeponie mitten in der Stadt und die Menschen trugen oft ihr ganzes Hab mit sich herum.
Froh Uyuni und seinem Schmutz entfliehen zu können, stiegen wir in den Bus nach Potosi. Aber auch hier war alles anders; Familien mit ihren Kindern benötigten den Boden vor den Sitzen als Schlafplatz und der ganze Gang wurde von zusätzlichen Passagieren belagert.

Um Mitternacht erreichten wir Potosi, während zweihundert Jahren die reichste Stadt Südamerikas, höchste Stadt der Welt und zweitgrösster Zinklieferant der Welt. Nach einer Irrfahrt durch die ganze Stadt gelangten wir schliesslich zum richtigen Hostel. Dort empfing uns der ehemalige Minenarbeiter Antonio mit einer unglaublichen Herzlichkeit und offerierte uns sogleich eine Tour zu den Minen.

Am Dienstagmorgen wurden wir mit Helm, Stirnlampe, Stiefeln und Überkleidern für die Tour in die Minen von Potosi ausgerüstet. Zuerst brauchten wir Geschenke für die Kumpels, nicht irgendwelche sondern 96 % Alkohol, hunderte Kokablätter, bolivianisches Dynamit und Zigaretten. Die dünne Luft auf 4200 m machte schon den Aufstieg zum Mineneingang anstrengend. Oben angekommen mussten wir durch ein ziemlich enges und unbefestigtes Loch in die Mine hinunterklettern. Die nächsten zweieinhalb Stunden werden wir so schnell nicht vergessen, denn das beklemmende Gefühl einen ganzen Berg über sich zu haben, kombiniert mit stickiger Luft und niedrigen Gängen hat uns mitgenommen.
Schockierend waren auch die Geschichten über Unfälle und die Begegnungen mit den Kumpels die tonnenschwere Wagen durch den Berg stossen und oft schon nach nur zehn Jahren in den Minen sterben. Besonders Corinne machte der Rundgang zu schaffen und wir sind uns einig, dass ein Besuch vollkommen genügt.
Nachmittags sind wir durch das Zentrum von Potosi geschlendert und haben für unglaubliche 50 Rappen einen frischgepressten Orangensaft genossen. Auch unsere Schuhe wurden von einem neugierigen Bolivianer vom Staub des Salzsees befreit.



Jeeptour nach Uyuni

7 12 2011

Um die Einreise nach Bolivien ein bisschen zu vereinfachen und gleichzeitig zu verschönern, haben wir uns für eine dreitägige Jeeptour von San Pedro de Atacama nach Uyuni entschieden. Am Samstagmorgen um 08.00 Uhr gings los. Wir wurden mit einem Minibus zur chilenischen Grenze gefahren und mussten dort eine geschlagene Stunde auf unseren Ausreisestempel warten. Weiter gings zur bolivianischen Grenze wo wir in Jeeps umstiegen. Unser Jeep war uns eingeschlossen mit fünf Schweizern gefüllt. Gleichzeitig hatten wir das Glück, dass Christina fliessend Spanisch sprach, was uns den Trip um einiges erleichterte.

Auf holprigen Strassen wurden wir zu wunderschönen Lagunen gefahren (Laguna Blanca, Laguna Verde), konnten in einer heissen Quelle auf gut 5000 Meter baden und brutzelnde Geysire bestaunen. Ich glaube wir können von Glück sprechen, dass uns die Höhe nicht zu schaffen machte, stiegen wir doch in einem Tag von 2500 auf 5000 Meter über Meer.

Am zweiten Tag bestaunten wir die Laguna Colorado. Wirklich eindrücklich was die Natur alles erschaffen hat. Die Lagune schimmerte in bezauberndem rot, geschmückt mit Dutzenden von Flamingos. Unser nächster Stopp führte uns zum Stone Tree, einem Felsbrocken, der in seiner Form einem Baum gleicht. Weiter ging es entlang der farbigen Berge (sie weisen bis zu sieben verschiedene Farben auf) zu diversen Lagunen und zu einem Aussichtspunkt mit Blick auf einen Vulkan, der die Grenze zwischen Chile und Bolivien darstellt.

An unserem letzten Tag gelangten wir zum eigentlichen Höhepunkt unserer Tour. Wir fuhren den ganzen Morgen über den Salar de Uyuni, besuchten die Kakteeninsel und die Salzminen und machten viele bizarr scheinende Fotos. Zuletzt stand der mit Abfall übersäte Cementerio de Trenes, die letzte Ruhestätte für rostende Loks nahe der Gemeinde Uyuni, auf dem Programm. Uyuni selbst bietet wenig Sehenswertes, deshalb beschlossen wir gleich mit dem Bus nach Potosi weiterzureisen.